Bremse Hinterachse
#1
Hallo Leute,
meist profitiere ich ja nur von Foren. Mit diesem Beitrag möchte ich Euch an meinen Irrwegen zur Reparatur der Bremse hinten teilhaben lassen.

Stein des Anstosses für den TÜV war die unzureichende Bremswirkung hinten rechts, genauer gesagt hinten rechts hatte nur ca. 50% von hinten links (sowohl Federspeicher als auch Betriebsbremse) . Im vergangenen Jahr habe ich auf der linken Seite schon den Wellendichtring an der kombinierten Trommelnabe getauscht, weil ich Öl aus der Achse in der Felge hatte.

Hinten rechts war das in der Felge nicht zu sehen, weswegen ich die Spreizkeileinheit in Verdacht hatte. Also erstmal die Räder runter.
   
Man sieht, daß da schon Öl oder Fett ist, aber halt weniger als ein Jahr zuvor auf der anderen Seite. Man kann auch gut eine der beiden Bohrungen erkennen, an denen das Öl rauskommen und in die Felge laufen soll, damit es die Bremsbeläge nicht verölt. Dazu später mehr.

Eigentlich sollen für die Welle acht Muttern gelöst werden, aber sieben Stehbolzen kamen mit. Macht nix. An dieser Stelle hilft ein Schlagringschlüssel SW22 ungemein.
   

Und raus mit der Welle
   

So sieht es dann ohne Welle aus
   

Damit man die Trommelnabe auch runterbekommt, die Notlöseeinrichtung am Federspeicher rausdrehen
   

Gleich geht es weiter! Zwinkernd
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#2
Den entsprechenden Zahn vom Sicherungsblech aufbiegen. Auf beiden Seiten war die äußere Kronenmutter Gewalt und Spezialwerkzeug herauszubekommen.
   
Weiter ging es mit der zweiten Kronenmutter. Unter dieser ist noch ein Scheibe, die man leichter herausbekommt, wenn man die Nabe runter hat.
   
   
Im Gegensatz zur anderen Seite, wo recht wenig Fett drin war, sieht das hier echt nach Schlonze aus.
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#3
So sieht die Nabe dann von innen aus, eindeutig zuviel Fett/Ölgemisch auf der falschen Seite des Wellendichtringes. Bremsbeläge auch leicht verölt und na klar, das muß die Ursache sein.
   
Den alten Wellendirchtring ausgebaut und schonmal zaghaft geputzt, vorher noch Entnahme des hinteren Lagerkäfigs.
   
   
Ganz schön viel Pampe dahinter
   
Irgendwie ist auf der Seite viel mehr Fett als auf der anderen Seite und scheinbar hat das Fett verhindert, daß das Öl so schön in die Felge läuft. Das rote auf dem letzten Bild ist die Hülse, die das Öl/Fett des undichten Wellendichtringes sammelt und per Fliehkraft in die "Entwässerungsbohrungen" der Nabe leitet.
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#4
Hallo Sascha, vielen Dank für den Bericht. Ich hoffe es „tut“ wieder und auch der TÜV ist glücklich. Hoffentlich geht dieser Kelch noch eine Weile an unserem Truck vorüber. Sieht nach einer Menge Arbeit aus. Gruß

Stefan
Flüsternd  Ein schwacher Verstand ist wie ein Mikroskop, das Kleinigkeiten vergrößert und große Dinge nicht erfasst  Zwinkernd
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#5
Hallo Stefan,

es tut noch nicht, soviel kann ich vorweg nehmen und ich warte noch auf ein Ersatzteil, aber ich kann gleich etwas weiterschreiben Lächelnd
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#6
Bremse sah ziemlich verölt aus:
   
Links unten im Bild eine Schraube mit Sicherungsblech die wiederum ein keilförmiges Blech hält, welches in Nuten in den Bolzen eingreift und sie am Herausfallen hindert. Diese Bolzen bilden die Drehlagerung der Belagsträger.
Das also alles entfernen.
   

Die Bolzen habe ich dann nach hinten ausgeschlagen. Die Passung war recht eng. Ich habe eine alte, kleinere Langnuss genommen, auf den Bolzen angesetzt und auf die Nuss gehämmert. Damit kann man verhindern, daß man die Bolzen verschlägt und sie hinterher nicht mehr reingehen.
Da ich gedanklich noch beim Fehler durch die Spreizkeileinheit war, habe ich auch die hinteren Bleche abgebaut.
Zum Aushängen der Federn habe ich eine große Bremsfederzange für Nutzfahrzeuge von amazon. Mercedes war echt schlau und hat Vertiefungen im Gußgehäuse der Spreizkeileinheit eingebracht, wo die Zange angesetzt werden kann. Hängt man also die Federn an der Spreizkeileinheit zuerst aus und hat eine passende Zange, dann ist es ein Kinderspiel.

   
So, alles abgebaut!

Da ich vorhatte, die Bremsbeläge wieder zu verwenden, habe ich sie entsprechen abgelegt, damit sie an gleicher Position wieder reinkommen.
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#7
Jetzt kam das große Putzen und Reinigen.

Für so verschmiertes Zeugs habe ich gute Erfahrung mit Petroleum zusammen mit Zahnbürste/Spülbürste gemacht. Das löst das verharzte und verstaubte Getriebeöl ziemlich gut und es läßt sich dann alles mit Bremsenreiniger absprühen.

Für die Bremsbeläge müssen jetzt Sicherheitsfanatiker und Allesrichtigmacher weghören. Erstmal habe ich diese mit Bürste, Bremsenreiniger grob vom Dreck befreit, am Belagsträger habe ich auch Petroleum verwendet. Dann in einen großen Kochtopf und mehrmals mit einer Suppenkelle Spülmaschinenreiniger auskochen (gute halbe Stunde). Nach jedem Auskochen neues Wasser, neuen Reiniger und die Beläge mit Spüli und Scheuerschwamm abschrubben. Am Ende bleibt das Auskochwasser fast sauber.

Ich habe gerade bei alten Trommelbremsfahrzeugen gute Erfahrung gemacht, bitte aber darum, die Verantwortung nicht auf mich zu schieben, wenn es nicht klappt.

Übrigens habe ich zum Reinigen vier Küchenrollen, vier Dosen Bremsenreiniger und fast eine ganze Tüte Somat verbraucht. Das Reinigen und Auskochen hat auch die meiste Zeit gebraucht.
Das Zerlegen bis hierhin war in ca. 2 h gemacht.
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#8
   
Geputzte und entfettete Trommelnabe

   
Gereinigtes Innenleben der Bremse

   
Und Zusammenbau in umgekehrter Richtung.
Eine Anmerkung zu den Belagsträgern: An den Belagsträgern sind beiderseits O-Ringe. Die Buchsen der Belagsträger werden gefettet und damit das Fett nicht rauskommt, sind die O-Ringe auf beiden Seiten eingesetzt. Ich habe diese erst beim Auskochen gesehen, als der Dreck langsam wegging. Daumen hoch! 

Gefettet habe ich die Belagsträger mit Hochtemperaturfett. Die Buchsen in den Belagsträgen haben Nuten, um das Fett aufzunehmen.
Beim Einschlagen der Bolzen von hinten darauf achten, daß die Nut für die Keilsicherung im richtigen Winkel liegt, denn die Bolzen lassen sich nachher nicht mehr drehen (zumindest bei mir nicht).

Beläge sehen doch fast aus wie neu:
    Daumen hoch!
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#9
Hier war ich mir nicht sicher. Im Großen und Ganzen nehme ich an, daß das Radlager ölgeschmiert ist und das Fett nur benötigt wird, um die Lager zu schmieren, bis das Öl dorthin gelangt ist. Auf jeden Fall war der Unterschied an Fett zwischen linker und rechter Seite beträchtlich. Ich habe dann beschlossen, sehr wenig Fett einzubringen, damit das Öl im Fall des Versagens des Welledichtringes leichter aus dem Ablauf herausgelangt.

   
Erst das äußere Lager fetten

   
Dann das innere

   
Dann den Wellendichtring einbauen. Ich habe ihn mit einer alten Hülse aus einem Unimog 404 Getriebe eingeschlagen, die zufällig passte. Durch den Ölschleuderring kann man ihn nicht direkt einschlagen oder auf den Rand drücken, da der Schleuderring knapp kleiner ist, als der Wellendichtring.

Der Wellendirchtring hat übrigens die Maße 100-125-12. Ich habe normal NBR in Bauform BASL verwendet; voher war eine verstärkte Ausführung drin, die man aber eher braucht, wenn man den im Busch irgendwo ohne Werkzeug einprügelt. BASL dichtet auch außen gut und verzeiht Kratzer vom Ausbau des alten in der Außenfläche. Letztes Jahr habe ich zum Glück gleich zwei gekauft Tanzend
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#10
Klasse Bericht Sascha Daumen hoch!


Günter
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